Das Ende einer Märchenstunde: Billiger Heizen mit Nachtstrom

Es war einmal in den siebziger Jahren, da galten Nachtstromheizungen als zukunftsweisend, da sie den aus (heimischer) Kohle gewonnenen (vermeintlich) "sauberen" Heizstrom nutzten, um für eine warme Wohnung zu sorgen. Diesem Märchen sind leider viele aufgesessen und rund 1,5 Millionen Wohnungen wurden mit Elektro(speicher)heizungen ausgerüstet. Die märchenhaften Verheißungen, dass Heizstrom besonders billig und umweltfreundlich sei, sind immer ein Märchen geblieben. Selbst im Jahr 2008, als das Heizöl zu Spitzenpreisen gehandelt wurde, war die Stromheizung die für Endverbraucher teuerste Art der Brennstoffversorgung. Das mit Abstand häufigste Anwendungsgebiet von Nachtstrom sind (Lüftungs-) Speicherheizgeräte. Diese speichern die aus Heizstrom gewonnene Wärme und geben sie über den Tag verteilt wieder ab. Leider ist es sehr uneffizient , da die Elektroheizung kann wegen der hohen Umwandlungsverluste in den Kraftwerken nur etwa 33 Prozent der dort eingesetzten (Primär-)Energie in Form von Raumwärme nutzen. Moderne Öl- oder Gasheizungen kommen dagegen auf über 70 Prozent, bei Brennwertnutzung sogar auf über 80 Prozent.  Also ist Heizen mit Strom denn tatsächlich umweltfreundlicher als das Heizen mit anderen Heizungen? Nein. Betrachtet man den gesamten Weg von der Energiegewinnung bis zur warmen Wohnung, so übertrifft die Elektroheizung moderne Gas- oder Ölheizungen beim Ausstoß von klimaschädlichen CO2 (bzw. CO2—Äquivalenten) und Schadstoffen wie zum Beispiel Schwefeldioxid, Stickoxiden und Staub fast durchweg um das Zwei- bis Dreifache. Geräte, die vor 1984 hergestellt worden sind, können außerdem für die Gesundheit schädliche Asbestfasern enthalten. Sind solche Modelle immer noch in Gebrauch, sollten sie möglichst umgehend fachgerecht ausgetauscht und entsorgt werden.
Manche Stromversorger rechtfertigen Nachtstromspeicherheizungen mit dem Argument, sie seien die ideale Ergänzung zu erneuerbaren Energieträgern (und müssten mithin erhalten bleiben). Zudem benötige der weitere Ausbau erneuerbarer Energieträger Speicherkapazität; eine Elektrospeicherheizung stelle bereits ein solches Speichersystem dar.
Dazu ist zu sagen, dass der Austausch des Energieträgers das Heizen mit Strom nicht effizienter macht. Auch erneuerbare Energieträger sind ein Eingriff in die Natur, und ihr Einsatz sollte daher nicht zum Zwecke der Energieverschwendung an anderer Stelle erfolgen. Wenn Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert werden soll, ist es unverzichtbar, auch die Speicher nach Effizienzmaßstäben auszuwählen. So könnten beispielsweise Druckluft- sowie Kälte- oder Langzeit-Wärmespeicher eine bessere Lösung darstellen. Weitere Möglichkeit: Künftig könnten Autos mit Elektroantrieb dank des gespeicherten Stroms rollen.

Erstellt am: 17.11.2011 um 10:59 Uhr - Kategorie(n): Strom sparen

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